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Keuschheitsgürtel-Geschichten

Neosteel's Keyholder-Game
- die Story -
Teil 1
Ich traute meinen Augen kaum, als ich den Artikel im "Lady-Like Journal" las.
Ich abonniere das Magazin seit mehr als zehn Jahren monatlich und kenne es als recht konservativ - aber auch sehr informativ - mit zahlreichen Tipps hinsichtlich Mode, Haushalt und Familie. Aber auch als guten Ratgeber für eine glückliche Ehe oder Partnerschaft.
An einen Artikel, der so offen über Sex - ja sogar Fetisch - in der Ehe berichtet, kann ich mich aber beim Besten Willen nicht erinnern.
"Frischer Wind für angestaubte Beziehungen" stand in dicken Lettern oben auf der Seite und als Untertitel "Wie ein Computer-Spiel das eingerostete Liebesleben der Nordamerikaner auf Trab bringt".
Das Foto auf der Seite zeigte einen kleinen schwarzen Tresor mit der Aufschrift "Security Box" und einem Display - offenbar zur Eingabe eines Zahlencodes.
Die Bildunterschrift lautete: "Neosteel`s Keyholder-Game eröffnet der nordamerikanischen Frau neue Möglichkeiten zur Entfaltung in der Ehe. Nur der nordamerikanischen Frau?"
Im Text wird von einem Ehepaar, Elisabeth und Henry, aus einer Kleinstadt in Virginia berichtet, das - nachdem die Kinder aus dem Haus sind - nichts mehr mit sich anzufangen weiß. Das ganze Leben hatte sich voll auf die Kinder konzentriert.
Die Tochter Jamie, 20 Jahre jung, hatte Ihr Studium abgeschlossen und vor zwei Monaten eine lukrative Anstellung in Atlanta bekommen. Sie ruft zwar regelmäßig an, um darüber zu berichten, wie es ihr in der Großstadt und mit dem neuen Job ergeht. Meist hat sie so viel zu erzählen, dass sie ganz vergisst, danach zu fragen, wie es denn der Mutter oder dem Vater geht. Das Telefonat ersetzt natürlich nicht das gemeinsame Abendessen - wie es früher war - und besonders nicht, dass man nur eine Treppe hinauf gehen musste, um sie in ihrem Zimmer zu besuchen, und das Gefühl zu haben, dass man eine Familie und nicht allein ist.
Und der Sohn Tom, schon 24 Jahre und verheiratet, zog vor einem halben Jahr aus dem Elternhaus aus, um mit seiner Frau Catherine ein Haus mit einer kleinen Autowerkstatt, etwa 20 km entfernt, zu beziehen. Beide freuen sich gerade auf die Geburt des ersten Kindes.
Sowohl Jamie als auch Tom sind also viel zu beschäftigt, um auch nur daran zu denken, außer an den Feiertagen den Eltern einmal einen Besuch abzustatten.
Hinzu kommt, dass das Verhältnis zur Schwiegertochter Catherine - wie so häufig - nicht das Beste ist. Catherine ist ziemlich dominant, hat also die Hosen an und Tom fest im Griff. Sie hat - davon ist Elisabeth überzeugt - dafür gesorgt, dass der Kontakt zu den Eltern deutlich reduziert wurde. Bis auf ein paar gelegentliche kurze Anrufe von Tom - bei dem Elisabeth stets den Eindruck hat, dass Catherine daneben steht und darauf achtet, dass Tom nicht zu viel Zeit mit dem Gespräch verplempert - herrscht Funkstille. Tom richtet dann höchstens einen flüchtigen Gruß von Catherine aus und legt dann auf. Besonders seit Catherine schwanger ist, kann sich Elisabeth schon gar nicht mehr daran erinnern, wann Sie das letzte Mal mit ihr persönlich gesprochen hat. Vielleicht wird das ja alles besser, wenn das Enkelkind erst einmal da ist - hofft Elisabeth jedenfalls.
Da sitzen Elisabeth und Henry nun also in dem großen, leeren Haus und müssen plötzlich erkennen, dass sie sich gar nichts mehr zu sagen haben.
Auch Henry macht wenige Anstalten, die häusliche Stimmung zu heben. Während Elisabeth sich stets um das Wohlergehen der Kinder - als sie noch im Haus waren - gesorgt hatte, ging er seiner Arbeit bei der Stadtverwaltung nach und bekam nur wenig von Elisabeths Nöten mit. Sie hatte ihm zwar jeden Morgen beim Frühstück alle Details berichtet - aber wie so häufig bei Männern - hörte er ihr nicht zu und vergrub sich hinter der Tageszeitung, während sie auf ihn einredete.
Henry ließ dann nur, wenn Sie ihm Fragen stellte, um seine Meinung zu erfahren, ein "Mhm" oder ein leises "Ja" vernehmen, so als ob er zuhören würde. Tatsächlich war er aber viel zu sehr in seine Zeitung vertieft.
Als die Kinder noch zu hause waren, machte sich Elisabeth gelegentlich einen Spaß daraus, Henry irgendeinen Blödsinn zu erzählen und Henry dann zum Beispiel zu fragen. "Hast du gehört, dass Frau Miller von nebenan zum Mond geflogen ist?" Und wenn Henry dann mit "Ja" antwortete, konnten die Kinder sich vor Lachen nicht mehr halten. Henry blickte dann mürrisch hinter seiner Zeitung vor und wunderte sich, warum die Kinder und Elisabeth so kicherten.
Nach dem Frühstück fuhr Henry ins Büro und kehrte erst wieder am späten Nachmittag zurück. Aber da waren ja noch die Kinder da. Nun ist aber alles anders - besonders für Elisabeth - nur Leere und Einsamkeit.
Elisabeth ist nicht mehr zum Lachen zu Mute. Wenn Sie darüber nachdenkt, wie viele Jahre nur noch so triste Tage auf sie warten, in denen sie für Henry unbeachtet bleibt und nur noch Haushälterin ist, die für sein Wohlergehen zu sorgen hat.
Wenn sie heute am Frühstückstisch diesem zeitungshaltenden Etwas gegenüber sitzt, möchte sie am liebsten die Zeitung herunter reißen und Henry rechts und links ohrfeigen. So wie sie es früher bei den Kindern gelegentlich gemacht hatte, wenn Sie nicht aufmerksam waren. Die Kinder hatte sie jedenfalls stets mit den Klapsen zur Vernunft bringen können. Aber wie Henry reagieren würde, konnte Sie nicht erahnen und ließ es deshalb lieber nur bei der Vorstellung bewenden.
Zum Glück gibt es aber Jenny, die beste Freundin von Elisabeth. Mit 46 Jahren genau so alt wie Elisabeth. Aber das genaue Gegenteil: Energiegeladen, optimistisch, ledig, kinderlos und stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Abenteuern.
Elisabeth könnte beim Besten Willen nicht annähernd sagen, wie viele Liebschaften Jenny in den vielen Jahren gehabt hatte, seit sie sich kennen. Sie waren in der gleichen Schulklasse. Vielleicht lag es daran, dass die aufgedrehte Jenny die Ruhe bewunderte, die Elisabeth ausstrahlte und Elisabeth von Jennys Energie beeindruckt war. Sie hatten sich jedenfalls gleich angefreundet, und diese Freundschaft hat alle Höhen und Tiefen überstanden.
Jedenfalls fand Elisabeth in Jenny eine sehr aufmerksame Zuhörerin, die auch stets Lösungen suchte und fand. Jenny war deshalb auch eine große Hilfe für Elisabeth, weil sie sich mit dem Internet sehr gut auskannte. Schließlich hatte Jenny ihre vielen Bekanntschaften dem world wide web zu verdanken, wo sie in zahlreichen Partnerbörsen registriert war und keinen Chatraum ausließ, um neue Kontakte zu knüpfen.
Die eher prüde und konservative Elisabeth betrachtet Jennys Aktivitäten mit etwas Argwohn aber auch nicht ohne Bewunderung. Was diese Frau alles bewegen kann. Auch wenn ihr Jenny immer wieder beteuert, dass Sie die vielen männlichen Beziehungen nicht des Geldes wegen anfängt, staunt sie doch über den Lebensstandard, den Jenny führt. Stets sehr modisch gekleidet, ein super eingerichtetes Apartment, ein schickes Cabrio. Elisabeth kann sich nicht vorstellen, wie Jenny so viel Geld in dem Call-Center - in dem sie arbeitet - verdienen kann. Aber egal - Jenny ist einfach Klasse und immer für sie da - und das war für Elisabeth das Wichtigste.
Jenny ist nicht nur eine sehr aufmerksame Zuhörerin, sondern eine Freundin, die Fragen stellt. Nicht nur irgendwelche Fragen, sondern alle Fragen, also auch Fragen, die sich Elisabeth in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen kann. Jenny will alles wissen. Auch die intimsten Geheimnisse - sofern es welche gibt.
So ist Jenny natürlich auch voll darüber im Bilde, dass Elisabeth und Henry ihr Sexleben sozusagen den Kindern geopfert haben, dass es also quasi kein Sexleben zwischen Ihnen gibt. Irgendwann - vor einigen Jahrzehnten - muss es ja mal zwischen den beiden geknistert haben, denn sonst wären Tom und Jamie nicht auf der Welt. Und das führt Jenny stets an, wenn die Sprache auf das Thema kommt.
Jenny kann sich jedenfalls ein Leben ohne ausgiebigen Sex nicht vorstellen und daher wundert sie sich auch sehr darüber, wie Elisabeth es ohne einen gelegentlichen Orgasmus aushalten kann. Und fast sprachlos ist Jenny, als Elisabeth ihr auf die Frage "Machst du es Dir denn wenigstens gelegentlich mal selbst?" mit hochrotem Kopf antwortet, dass sie das noch nie in Ihrem Leben versucht hat.
Aber so sprachlos ist Jenny nun auch wieder nicht, dass sie nicht gleich die nächste Frage - oder sagen wir besser Vermutung - hinterher schiebt: "Aber Henry macht es sich doch sicher selbst? Oder weißt Du davon gar nichts?"
Alle Namen und Handlungen in dieser Story sind frei erfunden.
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Page released March 20, 2010